Wie du Lichtspuren fotografieren kannst

Bei der Überschrift dieses Artikels habe ich mir es wieder einmal nicht leicht gemacht. Unter Lichtspuren kann sich zwar jeder etwas vorstellen, doch mir persönlich ist das zu umgangssprachlich.

Da ich aber nicht die Zielgruppe dieses Artikels bin und ab und zu gefragt werde, wie man den Lichtspuren fotografieren kann, habe ich mich dazu durchgerungen, „Lichtspuren“ zu schreiben. Zumal es im Englischen auch „Light trails“ heißt und „Lichtspuren“ eine gute Übersetzung darstellt.

Lichtspuren sind ein beliebtes Motiv und auch ich baue sie gerne in meine Bilder mit ein. In Laufe dieses Artikels wirst du merken, dass es auch nicht schwierig ist, diese zu fotografieren.

Zwei Nahverkehrszüge, die in der Nacht auf ein Viadukt herauffahren
Auch Züge können ein interessantes Motiv sein; bitte aber nur aus sicherer Entfernung, anderenfalls bist du der Grund für meine nächste Verspätung

Dabei werden wir uns nicht nur auf Autos beschränken, denn ob du die Lichtstreifen eines Autos, Zuges, Flugzeugs oder eines Schiffes fotografierst, macht nämlich nur einen geringen Unterschied. Am Ende des Artikels verliere ich noch einige Worte zu selbstgemalten Lichtspuren.

Grundsätzliche Einstellungen

Damit du Lichtspuren fotografieren kannst, kommt es vor allem auf die richtigen Einstellungen an. Darüber hinaus sollte die Umgebung so dunkel sein, dass der Kontrast zwischen den Lichtern und der Umgebung groß genug ist, damit man die Lichter auch wirklich sieht.

Das ist in der Regel in der Nacht der Fall. Am Tag ist ist es eher nicht möglich.

Die Belichtungszeit

Die Wahl der Belichtungszeit hat bei diesen Aufnahmen großen Einfluss auf das Aussehen der Bilder.

Als erstes muss die Belichtungszeit so lang sein, dass die Lichtquelle genug Zeit hat, um sich zu bewegen und Spuren zu hinterlassen. Das hängt maßgeblich von der Geschwindigkeit der Lichtquelle ab.

Da sich die Lichtquelle in unserem Fall an einem Fahrzeug befindet und sich dieses Fahrzeug im Bildausschnitt bewegt, wird das Fahrzeug selbst im Bild nicht mehr zu sehen sein. Es bleiben lediglich die Lichter übrig. Dafür ist die Bewegungsunschärfe verantwortlich. Damit wären wir auch beim Geheimnis dieser Aufnahmen angelangt.

Jetzt haben wir schon einmal die Lichtspuren im Bild. Allerdings kannst du noch weiter mit der Belichtungszeit experimentieren. Je nachdem, ob du die Lichtspuren einmal durch dein Bild laufen lassen möchtest oder nur für einige Meter, passt du die Belichtungszeit weiter an.

Die Blende

Ich erachte die Wahl der Blende für die Lichtspuren als nicht so wichtig. Hier kannst du ruhig unterschiedliche Werte ausprobieren. Oft möchte man, dass der Bildausschnitt scharf ist, doch eine kleine Schärfentiefe kann auch reizend sein.

Ein Brunnen bei Nacht. Die Lichtquellen um ihn herum sind zu Sternen geworden
Mit einer kleinen Blendenöffnung kann man aus Lichtquellen Sterne machen

Wenn du dein Bild noch mit Licht-/Sonnensternen aufhübschen möchtest, kommst du um zweistellige Blendenwerte nicht herum. Das Thema ist aber umfangreicher, deshalb findest du hier einen weiterführenden Artikel.

Eine stabile Unterlage

Je nach Umgebung und Geschwindigkeit deiner Lichtquelle kommst du auch auf Belichtungszeiten von mehreren Sekunden. Das lässt sich nicht mehr aus der Hand realisieren.

Ein Stativ an einem See
Ein Stativ ist eine lohnenswerte Investition

Das Stativ bildet hier oft die beste Lösung, doch auch andere Unterlagen (Poller, Koffer, Schränke) können ausreichend sein.

Überbelichtungen vermeiden

Oben habe ich zwar schon einiges zu den Einstellungen geschrieben und implizit natürlich auch, dass du die Belichtung an deine Umgebung anpasst. Doch auf Überbelichtungen wollte ich noch einmal eindringlich hinweisen.

Im Rausch der Streifen kann es nämlich schnell passieren, dass du mehrere Streifen an derselben Stelle hast und das Bild an dieser Stelle überbelichtet ist. Dann hast du nur noch die Information „weiß“. Viele Fotografen wollen das vermeiden.

Eine Auto bei Nacht von einer Brücke aus gesehen
Da die Autos immer in einer Spur fahren, werden die Streifen bei mehreren Fahrzeugen heller

Dabei hilft dir das Histogramm. Befindet sich am äußersten rechten Rand noch ein Balken, hast du dort keine Zeichnung mehr. Neben dem Histogramm bietet dir auch die Belichtungswarnung die Möglichkeit, zu überprüfen, ob Teile deines Bildes überbelichtet sind.

Bei aktivierter Warnung blinkt der entsprechende Bildbereich und du siehst, wo das Bild zu hell ist.

Wenn du etwas weiß und ausgebrannte Stellen in deinem Bild nicht zu schlimm findest, dann kannst du auch etwas Überbelichtung in Kauf nehmen.

Suche dir interessante Orte

Lichtspuren von Autos kannst du an fast jeder Straße aufnehmen. Das macht allerdings noch kein spannendes Bild draus.

Lichtspuren an einem Bergpass sind selbstverständlich spannender als Lichtspuren auf irgendeiner Kreisstraße in Schleswig-Holstein.

Eine Kreuzung in einer Stadt; von rechts sieht man eine Spur mit Blaulicht in das Bild kommen
Mit etwas Geduld kann man auch Blaulicht auf seine Bilder bekommen

Auch Städte bieten sich hervorragend für solche Bilder an. Man hat die Möglichkeit, Architektur und Lichtspuren von Autos zu kombinieren.

Eigene Lichtspuren schaffen

Wie eingangs erwähnt, sind aber nicht nur Fahrzeuge als Lichtquelle denkbar. Mit verschiedensten Lampen kannst du Formen und Schriftzüge vor deiner Kamera malen. Vielleicht wird ein interessantes Bild draus.

Dabei solltest du beachten, dass der Schriftzug spiegelverkehrt auf deinem Bild sein. Das ist einer der Gründe dafür, dass ich solche Bilder nicht mache. Im Übrigen fehlt mir einfach die Geduld dazu.

Fazit

Lichtspuren erfreuen sich sowohl bei Fotografen als auch bei Betrachtern großer Beliebtheit. Die Umsetzung ist auch nicht sonderlich schwierig.

Jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Fotografieren. Lass dich aber nicht überfahren!

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