Wie du Landschaften fotografieren kannst

Neben dem Fotografieren von Städten gehört das Fotografieren von Landschaften zu meinen Lieblingsgenres der Fotografie. Eigentlich bin ich eher notgedrungen zur Landschaftsfotografie gekommen. Da ich eher im ländlichen Raum wohne (noch), ist das Fotografieren von Städten eher schwierig. Ansprechende Landschaftsaufnahmen zu machen ist nicht besonders schwer, nur bessere und richtig gute erfordern Wissen, Können und tatsächlich ein bisschen Glück oder Ausdauer. In diesem Artikel möchte ich dir einige Tipps geben, damit auch deine Landschaftsaufnahmen besser werden. 

Die richtigen Einstellungen 

Damit die Ergebnisse überzeugen, müssen die Einstellungen passen. Die drei wichtigsten Einstellungen gehen wir jetzt einmal durch.

Der ISO Wert. Hier wählt man am besten einen kleinen Wert, ISO 100 ist ein guter Wert. Dies garantiert in 98 % aller Fälle absolut rauschfreie Bilder. Ist weniger Licht vorhanden, kannst du auch auf einen höheren Wert zurückgreifen. Zu hoch sollte dieser nicht sein, sonst rauschen die Bilder.

Die Verschlusszeit. Hier kannst du alles nutzen, was deine Kamera zu bieten hat, von kurzen bis hin zu langen Belichtungszeiten. Möchtest du Wasser oder Wolken weich erscheinen lassen, wählst du eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden (Stichwort Langzeitbelichtung). Sollen Wasser und Wolken scharf sein und nicht durch gezielte Bewegungsunschärfe weich und glatt sein, wählst du eine kurze Belichtungszeit. Meistens ergibt sich die richtige Belichtungszeit nach Wahl der Blende und des ISO Wertes.

Die Blende. Meistens möchte man die gesamte Landschaft von vorne bis hinten scharf abbilden. Deshalb wählst du hier einen großen Wert, also eine kleine Blendenöffnung. Meistens nutze ich eine Blende von 8-11. Möchtest du Blumen oder andere Details freistellen (den Hintergrund unscharf erscheinen lassen), wählst du einen kleinen Wert, also eine große Blendenöffnung. Auch beim Fotografieren der Milchstraße wählt man einen kleinen Wert, da das wenige, vorhandene Licht komplett eingefangen werden soll. 

Mit einer langen Belichtungszeit erscheint selbst der starke Sturm als ruhig

Mit einer langen Belichtungszeit erscheint selbst der starke Sturm als ruhig

Die richtige Belichtung 

Welche Einstellungen du verwenden solltest, habe ich oben geklärt. Jetzt musst du nur noch die richtige Belichtung finden. Das ist manchmal gar nicht so ganz einfach, aber ist auch kein Hexenwerk. 

Gerade in der Landschaftsfotografie hat man es mit schwierigen Situationen zu tun. Man hat den hellen Himmel und den dunklen Wald auf einen Bild. Deshalb ist es für dich und die Kamera schwierig, eine passende Belichtung zu finden. Hast du eine Kamera mit einem hohen Dynamikumfang, ist das ganze grundsätzlich einfacher, aber ein Thema ist es immer noch. Dann kannst du in der Nachbearbeitung die Tiefen/Lichter sehr gut optimieren. Hat deine Kamera einen eher geringeren Dynamikumfang, bietet sich es eventuell an, ein HDR zu machen. Dabei machst du drei oder mehr Aufnahmen, die du unterschiedlich belichtest. Ein korrekt-, ein über- und ein unterbelichtetes Bild. Diese fügst in der Kamera oder in der Nachbearbeitung zu einem Bild zusammen. Dabei hast du Details im Himmel und in den Bäumen. Das machst du am besten vom Stativ, somit besteht nicht die Gefahr, dass die Bilder nicht genau übereinanderliegen. Nun machst du drei oder auch mehr Bilder. Das erste belichtest du so, dass du mit den hellen Stellen (Himmel/Schnee/Sand) zufrieden bist. Ein Zweites belichtest du so, dass du mit den dunklen Bildbereichen (Wald) zufrieden bist. Jetzt machst du noch eins, welches genau zwischen den beiden liegt, ein Referenzbild. Grundsätzlich belichtet man so, dass in den hellen Bildbereichen noch etwas zu sehen ist. Denn aus den Tiefen kannst du in der Bildbearbeitung einfacher Details herausarbeiten, als aus den Lichtern. Insgesamt musst du beim Finden der richtigen Belichtung etwas probieren. 

Auch hier gestallte sich die Belichtung als schwierig, dunkle Elemente im Vordergrund und ein heller Himmel

Auch hier gestallte sich die Belichtung als schwierig, dunkle Elemente im Vordergrund und ein heller Himmel

Nutze das schönste Licht 

Nette Landschaftsaufnahmen unterscheiden sich von guten darin, dass diese nicht um 12 Uhr mittags aufgenommen wurden. Mittags steht die Sonne extrem hoch und das Licht ist sehr hart. Das verleiht deinen Landschaftsaufnahmen nicht gerade das gewisse Extra. Besser wäre es, wenn man morgens und abends unterwegs ist. Kurz vor, beziehungsweise kurz nach Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist das Licht am schönsten. Für die Landschaftsfotografie ist gerade die goldene Stunde sehr interessant. Aber dieses Licht bekommst du nicht geschenkt. Wer immer bis um 9 Uhr schläft, hat es mit dem Morgenlicht etwas schwierig. Eine Alternative könnte das Abendlicht sein. Aber dann kann man nicht vor dem Fernseher sitzen. Also man muss schon einen gewissen Preis bezahlen. Im Sommer sind drei oder zwei Uhr am Morgen keine Seltenheit. Ist man direkt an der Location, kann man natürlich etwas länger schlafen. Ich persönlich mag die Stimmung am frühen Morgen. Wenn andere Leute gerade erst von ihren Partys wiederkommen, steht man schon an der Location und macht fantastische Aufnahmen (meistens). Nach und nach erwacht das Leben. Einfach nur herrlich. Also einfach mal früh aufstehen, auch im Urlaub. 

Wer früh aufsteht, wird mit dem schönsten Licht belohnt

Wer früh aufsteht, wird mit dem schönsten Licht belohnt

Das Wetter  

Wer nur bei schönstem Wetter unterwegs ist, der bekommt auch nur Schönwetterfotos. Meistens sind diese total langweilig. Viele Leute sagen, wenn der Himmel blau ist, dass das Wetter schön sei. Naja, finde ich nicht. Es muss nicht immer gleich ein Gewitter sein, aber Wolken machen die Bilder schon massiv interessanter. Ein Sonnenuntergang ohne Wolken ist zwar schön, aber mit Wolken erhält man spannende und zum Teil auch dramatische Aufnahmen. 

Geplant war ein Sonnenuntergang, das Wetter hatte andere Pläne, das Ergebnis ist ein ruhiger Vordergrund und ein dramatischer Himmel

Geplant war ein Sonnenuntergang, das Wetter hatte andere Pläne, das Ergebnis ist ein ruhiger Vordergrund und ein dramatischer Himmel

Die richtige Location 

Landschaften kann man prinzipiell Überfall fotografieren. Zum Lernen reicht auch die Landschaft um die Ecke, auf Dauer wird dies jedoch langweilig. Wohnt man direkt in einer landschaftlich interessanten Region, hat man es natürlich leichter, als jemand, der inmitten einer nicht enden wollenden Kulturlandschaft, ohne Berge und Seen, wohnt. Ich bin immer extrem neidisch auf Fotografen, die an oder in Gebirgen leben. Ich wohne in der Mitte Schleswig-Holsteins und habe, wenn ich ans Meer will, die Wahl zwischen der eher wilden Nordsee und der eher ruhigen Ostsee. Nur habe ich diese Möglichkeiten noch nicht ganz erkannt. Also die schönsten Landschaften können direkt vor der eigenen Haustür sein. Fahre mal mit offenen und unvoreingenommenen Augen durch deine Region und du wirst sicherlich den einen oder anderen interessanten Spot entdecken. Auch der Urlaub bietet dir die Möglichkeit, die fremden Landschaften zu entdecken und mit der Kamera festzuhalten. 

Dieses Bild habe ich in der Nähe meines Wohnortes gemacht - eigentlich eine super Location, nur mit den Stromkabeln muss man leben können

Dieses Bild habe ich in der Nähe meines Wohnortes gemacht – eigentlich eine super Location, nur mit den Stromkabeln muss man leben können

Die Nachbearbeitung 

Hat man nun die Bilder auf der Speicherkarte, sehen diese schon gut aus, doch mit der richtigen Nachbearbeitung kannst du aus deinen Bildern noch einiges rausholen. Bist du im RAW Formmat unterwegs, hast du in der Nachbearbeitung die meisten Möglichkeiten. Dabei muss es nicht immer Photoshop sein, auch mit Programmen wie Lightroom* oder den mitgelieferten Programmen lassen sich die Aufnahmen sehr gut optimieren. Es gibt dabei einige Regler, denen du besondere Beachtung schenken solltest. Die wichtigsten Regler sind der Lichter- und der Tiefen Regler. Mit denen optimierst du die dunklen und hellen Bildbereiche. Meistens erhöht man die Tiefen etwas und dunkelt die Lichter etwas ab. Auch den Kontrast passt man meistens noch an. Entweder mit dem Kontrast Regler oder mit den Reglern Schwarz und Weiß. Dynamik und gerade die Sättigung erhöht oder verringert man noch, je nachdem, was einen gefällt. Nachgeschärft wird bei mir alles. Gerade Landschaftsaufnahmen dürfen etwas mehr geschärft werden. Wer mag, kann noch mit Effekten und Filtern rumspielen. Sagt mir bei Landschaftsaufnahmen selten zu. Auch hier gilt, wie bei der Bildbearbeitung allgemein, einfach an den Reglern ziehen und schauen was passiert.

Das RAW ohne Nachbearbeitung sah langweilig aus, mit ein wenig Nachbearbeitung konnte ich die Situation viel reeller darstellen

Das RAW ohne Nachbearbeitung sah langweilig aus, mit ein wenig Nachbearbeitung konnte ich die Situation viel reeller darstellen

Fazit 

Es nicht schwer eine gute Landschaftsaufnahme zu machen. Wer die oben beachteten Tipps beachtet, sollte schon gute Ergebnisse erzielen. Um zu vermitteln, wie man die perfekte Landschaftsaufnahme macht, reicht ein Artikel natürlich nicht aus. Damit kann man ganze Bücher füllen. Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel weiterhelfen konnte. Wenn dies der Fall ist, würde es mich sehr freuen, wenn du diesen Artikel mit anderen teilst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.