Den Weißabgleich mithilfe einer Graukarte einstellen

Heute habe ich aus meinem Fenster geguckt und habe mich vom Wetter inspirieren lassen. Okay, so lief es nicht, doch der Himmel hat ein ziemlich konstantes Grau. „Grau“ und „konstant“ sind dabei gute Stichworte, mit denen werden wir uns in diesem Artikel beschäftigen.

Ziel ist es, dass du weißt, wie die Farben mithilfe einer Graukarte immer gleich aussehen und am besten nach diesem Artikel auch einen Sinn in einem solchen Vorgehen siehst.

Der Weißabgleich

Dem Weißabgleich habe ich schon einem eigenen Artikel gewidmet und viele von euch wissen bestimmt schon, was es mit dem Weißabgleich auf sich hat. Dennoch gibt es an dieser Stelle eine kleine Erklärung.

Der Weißabgleich hat einen großen Einfluss auf das Aussehen des Bildes
Der Weißabgleich hat einen großen Einfluss auf das Aussehen des Bildes

Das Licht um uns herum hat unterschiedliche Wellenlängen. Diese unterschiedlichen Wellenlängen sorgen dafür, dass dein Auge unterschiedliche Farben sehen kann.

Hat das Licht eine Wellenlänge, die außerhalb dessen ist, was wir sehen, kann man damit auch Daten übertragen oder eine Currywurst in der Mikrowelle erwärmen. Doch darum soll es heute gar nicht gehen. Wir beschäftigen uns nur mit den sichtbaren Farben.

Unser Auge kann sich schnell an wechselnde Lichtverhältnisse gewöhnen. Kameras können das auch. Doch in manchen Fällen funktioniert die Automatik nicht so gut und die Vorgaben in der Kamera (Schatten, Sonne, Blitz usw.) bringen nicht den gewünschten Erfolg.

Dann musst du das Zepter selbst in die Hand nehmen und dich manuell um den Weißabgleich kümmern. Das kannst du nach Lust und Laune machen oder mit der Graukarte ein präzises Ergebnis erzielen. Diesen Weg wollen wir uns im Folgenden einmal genauer angucken.

Was ist eine Graukarte

Eine Graukarte muss nicht immer eine Karte sein. Es gibt sie in vielen Formen. So gibt es auch faltbare Stoffe oder Würfel aus Metall, die denselben Zweck haben. Alle haben aber eines gemeinsam: Die Farbe (mit leichten Toleranzen).

Hier eine klassische Graukarte

Das Graus aus dem Namen kannst du aber dogmatisch sehen. Dieses Grau reflektiert 18% des Lichts, das auf sie fällt. Unterschiedliche Farben entstehen übrigens dadurch, dass Farben unterschiedlich viel Licht reflektieren. Da diese Menge bei einer Graukarte konstant ist, kann deine Technik so den idealen Weißabgleich festlegen.

Den Weißabgleich in der Kamera anpassen

Bist du nun in einer Situation, in der kein Weißabgleich so richtig passen will, kannst du die Graukarte verwenden. Je nach Kamera ist das genaue Vorgehen unterschiedlich. Auch ich habe erst einmal im Handbuch meiner Kamera nachgeschaut, wie das funktioniert.

In meinen Fall (Canon Eos) habe ich die Graukarte möglichst Bildfüllend fotografiert, anschließend habe ich die Funktion zum Einstellen des Weißabgleiches gestartet und das entsprechende Bild ausgesucht.

Bei Kameras der Powershot-Serie habe ich die Funktion gestartet und dann ein Feld auf dem Bildschirm auf das Grau ausgerichtet und eine Taste gedrückt. Fertig ist der manuelle Weißabgleich.

Wie du siehst, sind hier unterschiedliche Workflows denkbar. Ein Blick in das Handbuch kann hier helfen. Selbst ich kam mit Trial&Error nicht besonders weit. Die Funktion ist auch nicht sonderlich intuitiv. Die Powershot hat das besser gemacht.

Den Weißabgleich in der Nachbearbeitung anpassen

Damit du den Weißabgleich verlustfrei in der Nachbearbeitung anpassen kannst, ist es erforderlich, dass du im RAW-Format fotografierst.

In den meisten Programmen ist das Vorgehen aber recht einfach. Im Bereich des Reglers zum Einstellen des Weißabgleiches findest du eine Pipette, mit der du den grauen Bereich im Bild auswählst. Anschließend wird der Weißabgleich entsprechend angepasst.

Die Pipette wollte einfach nicht auf den Screenshot, aber so ähnlich sieht das Auswählen einer Referenzfläche aus
Die Pipette wollte einfach nicht auf den Screenshot, aber so ähnlich sieht das Auswählen einer Referenzfläche aus

Oft wird dir auch die Temperatur des Lichts angezeigt. Diesen Wert in Kelvin kannst du dann auch für andere Bilder der Session verwenden, so musst du nicht in jedem Bild die Graukarte platzieren.

Grundsätzlich gilt bei beiden Methoden, dass der manuelle Weißabgleich nur für diese eine Situation passend ist. Verändert sich das Licht etwas, ist das Ergebnis nicht mehr exakt.

Ein technisch perfekter Weißabgleich

In einigen Situation kann es zwingend erforderlich sein, einen perfekten Weißabgleich zu haben, zum Beispiel in der Produktfotografie oder bei allen Motiven, die eine farbechte Darstellung erfordern (Gemälde oder ähnliches).

Bei den meisten Bildern ist es wichtig, dass die Stimmung vermittelt wird und nicht, dass die Farben perfekt sind
Bei den meisten Bildern ist es wichtig, dass die Stimmung vermittelt wird und nicht, dass die Farben perfekt sind

Bei einem Großteil der Bilder ist es jedoch egal, ob der Weißabgleich technisch perfekt ist oder nicht. Wichtiger ist oft, dass die Aussage des Bildes rüberkommt. Dafür kann auch eine bewusste Manipulation sinnvoll sein.

Fazit

Solltest du einmal mit dem Weißabgleich verzweifeln, kann die Graukarte eine sinnvolle Lösung sein. Hin und wieder verwende ich die Graukarte bei einige künstliche Lichtquellen.

Der Anschaffungspreis einer solchen Karte (in welche Form) auch immer, ist gering und Platz nimmt sie im Rucksack auch keinen weg, somit kann man sie mal mitnehmen und ein bisschen mit dem Weißabgleich spielen.

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