Wie du auf Events fotografieren kannst

Wir kennen es alle. Kaum hat man mal ein paar seiner aktuellen Bilder gezeigt, kommen auch schon die ersten Fragen für das Fotografieren von irgendwelchen Veranstaltungen im Freundes- und Verwandtenkreis. Meistens erhoffen sich die Auftragsteller dabei bessere Aufnahmen, als wenn sie selbst fotografieren. In einigen, eher wenigen Fällen, möchte man sich die Kosten für einen professionellen Fotografen sparen. Das ist auch alles gut und schön. Meistens stimmt man bei Bekannten auch noch schneller zu und dann hat man den „Auftrag“. Die Tatsache, dass man überwiegend Blümchen und Landschaften fotografiert, stört meistens keinen. Wird er schon „irgendwie“ hinkriegen. Um dieses „irgendwie“ soll es heute gehen. Konkreter ausgedrückt: Wie du auf Events und Veranstaltungen im Freundes- und Veranstaltungen mindestens so gute Bilder machst,  dass diese nicht zur Folge haben, dass die Freundschaft beendet wird oder du dir jedes Jahr zu Weihnachten anhören musst, wie du den 25. Hochzeitstag deines Onkels fotografierst hast.

Auch das Essen sollte fotografiert werden

Auch das Essen sollte fotografiert werden

Vorbereitung ist alles

Ich kann es nicht oft genug schreiben. Aber ohne Vorbereitung geht es nicht. Bei Veranstaltungen solltest du wissen, wo gefeiert wird, wie viele Leute kommen und am besten auch noch, wer diese Leute sind, was genau fotografiert werden soll, was für das Event geplant ist und was der „Auftraggeber“ für Vorstellungen hat. Auch eine Gästeliste kann sinnvoll sein. Damit hast du schon nahezu alle für dich relevanten Informationen und bist schon gut informiert. Wenn du eine Gästeliste hast, kannst die fotografierten Personen abhaken und vergisst keinen Teilnehmer. Aber es gibt einige Personen, die wollen definitiv nicht fotografiert werden und schaffen es auch, dass sie tatsächlich auf keinen Foto zu sehen sind. Auch solltest du wissen, was das jeweilige Event ausmacht und welche Momente sehr wichtig sind. Bei Hochzeiten sind dies eine ganze Menge, wie zum Beispiel die Ringübergabe, der erste Kuss, der erste Tanz und so weiter… Diese Momente sind quasi pflicht.

Schaue dir die Locations am besten vorher an

Dieser Punkt ist nicht bei jeder Art von Veranstaltung notwendig. Doch wenn man die Locations kennt, ist man am Tag der Veranstaltung entspannter, weiß schon welche Einstellungen und welches Equipment man verwenden wird. Bei Hochzeiten ist es besonders wichtig, vorher schon einmal in der Kirche gewesen zu sein und mit der Person gesprochen zu haben, die die Trauung durchführen wird. Man kann schon einmal nach guten Standpunkten schauen und sich mit den Regeln Vorort vertraut machen. Eventuell gibt es Kunstwerke, die kein Blitz vertragen oder Pfarrer, die keine Fotografen mögen. Auch solltest du deine Kamera mitnehmen, so kannst du schon mal schauen, welche Einstellungen du verwenden wirst. Beim Kindergeburtstag musst dir die Location nicht unbedingt anschauen, aber grundsätzlich ist es empfehlenswert. Ist die Veranstaltung mehrere hundert Kilometer entfernt, würde auch ich vom Locationscouten absehen.

Gerade in Kirchen steht dir wenig Licht zur Verfügung

Gerade in Kirchen steht dir wenig Licht zur Verfügung

Kenne dein Equipment

Du solltest deine Kamera sehr gut kennen, bevor du Menschen und Veranstaltungen fotografierst. Niemand wartet auf dich, nur weil du den Knopf für den ISO nicht findest. Auch solltest du mit den wichtigsten Funktionen und Parametern vertraut sein. Desweiteren solltest du dir sicher sein, dass dein Equipment einwandfrei funktioniert und auch vorbereitet ist (Akkus, Speicherkarten). Wenn möglich solltest du dir auch eine zweite Kamera mitnehmen. Diese muss nicht in deinem Besitz sein. Fällt dir deine erste Kamera aus, kannst du relativ entspannt mit der zweiten Kamera weiterarbeiten. 

Die eigentliche Veranstaltung

Nun ist der große Tag gekommen. Denke an deine Vorbereitung und an die Gedanken, die dir vorher gemacht hast. Am besten bist du umsichtig, bist voll konzentriert und hältst dich eher im Hintergrund auf. Wenn du unauffällig bist und die Besucher dich nicht wahrnehmen, bekommst du ungestellte und natürliche Bilder. Ich persönliche nutze den AV Modus und bin damit grundsätzlich zufrieden. Ich stelle nur die Blende ein und den Rest macht die Kamera für mich. Man ist schnell und kann sich voll auf die Motive einlassen. Gerade in schnell wechselnden Lichtsituationen ist dies ein Vorteil.

Solltest du den Blitz nutzen müssen, solltest du nie den kamerainteren Blitz nutzen. Dieser blitzt direkt ins Gesicht und verursacht unschöne Schlagschatten. Ein Aufsteckblitz ist ideal. Wenn du mit Bastellösungen leben kannst, kann dir ein Stück Alufolie helfen. Mit diesem kannst du das Licht über die Decke umleiten. Dies gibt ein sehr weiches Licht, lässt sich jedoch nur bis zu einer gewissen Deckenhöhe nutzen. Ich habe auch noch eine andere Möglichkeit für dich. Wenn du eine leere Zigarettenschachtel hast, kannst du aus dieser einen Lichtformer bauen. Die Packung schneidest du unten auf und steckst die Schachtel über den Blitz deiner Kamera. Oben machst du die Packung auf und schon hast du ein fantastisches Licht. Nach Möglichkeit beklebst du die Packung mit Gaffer oder ähnlichen, denn gerade mit den Schockbildern sehen die Packungen noch unschöner aus.

Auch kleine Details sollte man festhalten

Auch kleine Details sollte man festhalten

Denke an ein Back-Up

Schon wieder Sicherheit, Redundanz und Back-Up. Aber dieses Thema ist extrem wichtig. Wenn du deine ersten Bilder im Kasten hast, solltest du diese sichern. Am schönsten funktioniert dies mit einen Notebook. Wenn deine Kamera zwei Kartenschächte hat, solltest du beide nutzen. Denn nichts ist unangenehmer, als den Auftragsteller mitteilen zu müssen, dass die Speicherkarte defekt ist und man keine Bilder mehr hat. Sollte dir kein Notebook zur Verfügung stehen, solltest du zwischendurch mindestens die Speicherkarten wechseln.

Wie du Gruppenfotos meistern kannst

Zu jeder größeren Veranstaltungen gehören auch Gruppenfotos. Ich als Fotograf habe dabei immer großen Spaß. Für Gruppenfotos eignen sich breite Treppen und Gelände mit leichter Neigung sehr gut. Prinzipiell stellt man die großen und die eher unfotogenen nach hinten, und die fotogenen und kleinen nach Vorne. Dieser Vorgang kann gerade bei Familien ein bisschen dauern, denn nicht jeder möchte neben jeden stehen, dann wiederum möchte jemand unbedingt neben bestimmten Personen fotografiert werden und einige würden sich am liebsten überhaupt nicht mit den anderen fotografieren lassen. Als Fotograf nimmst du das Ganze gelassen und sorgst nicht noch für zusätzliche Hektik. Wenn dann alle ihren Platz gefunden haben, solltest du dir sicher sein, dass man das Gesicht von jedem sieht und zur Sicherheit fragst du, ob jeder die Kamera sieht. Wie du die Gruppe zum Lachen bringst, musst du dir selbst überlegen, bei funktioniert das eher selten. Es ist auch nicht vorgeschrieben, wer mit aufs Bild kommt. Man kann dort nach diversen Eigenschaften und Verwandtschaftsgraden gehen. Wenn du auch mit auf das Bild sollst, kannst du ein Stativ sowie einen Timer oder einen Funkfernauslöser verwenden.

Die Sektflasche und die Sektgläser, dazu eine gedrehte Kamera und fertig ist der Standard-Shot

Die Sektflasche und Sektgläser, dazu eine gedrehte Kamera und fertig ist der Standard-Shot

Die Nachbearbeitung

Die Bilder einer Veranstaltung sollen diese dokumentieren und als Erinnerung dienen. Dabei sollten diese Bilder relativ zeitlos sein. Mit Filtern, die aktuelle vielleicht angesagt sind, sollte man die Bilder eher nicht „verschönern“. Ein leichter und dezenter Bildlook stellt kein Problem da. Auch sonst sollte die Bearbeitung eher dezent und unauffällig sein. Auf langes Retuschieren kannst du verzichten. Die Bilder dienen der Dokumentation und nicht zur Bewerbung für Fashion Shootings. Eine akute und sehr auffällige Störung des Hautbildes kannst entfernen, die meisten Menschen sind nicht gerade davon begeistert, mit der Beule des vorigen Abends in die Geschichtsbücher einzugehen. Neulich war ich Gast auf einer größeren Veranstaltung, die auch von einer Fotografin begleitet wurde. Ich fange jetzt nicht an, alles zu analysieren, aber den Gaußchen Weichzeichner nutzt sie sehr gerne und extrem in Gesichtern.

Die Bildübergabe

Ich gehe wieder auf das Beispiel von oben ein. Es hat einen Monat gedauert, bis ich die Bilder auf meinen Rechner hatte. Übrigens in Form von mehreren DVDs. Ich persönlich versuche die Bilder so schnell wie möglich zu übergeben. Eine Woche ist meine persönliche Schmerzgrenze. Im Idealfall sind die Bilder nach wenigen Stunden beim Auftragsteller. DVDs oder ähnliche physikalische Datenträger finden bei mir keine Verwendung mehr. Ich lade die Fotos bei OneDrive* hoch und teile die Ordner mit allen, die Bilder haben möchten (oder bezahlt haben). Das ist meine Variante. Viele haben aber kein Problem damit, wenn die Bilder nicht nach wenigen Stunden fertig sind.

Fazit

Es ist nicht ganz einfach, aber mit ein bisschen Vorbereitung und Beachtung der obengenannten Tipps kannst du selbst komplexe Feiern wie Hochzeiten fotografieren. Dabei solltest du dir aber auch deiner Verantwortung bewusst sein. Es gibt nicht umsonst Profis. Die machen zwar nicht immer bessere Bilder, doch sie haben viel Routine und sollten sich ihre Aufgabe bewusst sein. Wenn bei wichtigen Events etwas schiefgeht, kann es sein, dass die Auftragsteller nie wieder mit dir reden. Ist es „nur“ ein Freundschaftsdienst, kann ein Scheitern keine rechtlichen Konsequenzen haben. Ich wünsche dir nun viel Spaß bei deiner Eventfotografie.

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